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7-8/2011
 
 
"Man muss ständig überprüfen, wo es Dinge zu verbessern gibt, wo man schneller werden muss, wo man sich von bestimmten Feldern trennen muss." Henrik Köhler, Geschäftsführer der Philips GmbH und Leiter der Sparte Consumer Lifestyle D/A/CH

Stärker als bislang

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Seit der Ankündigung von Philips, die Fernsehersparte in ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller TPV Technology Ltd. auszulagern, kocht die Gerüchteküche der Branche. Jenseits aller Spekulationen wollte MediaSeller vom Consumer Lifestyle und Philips Deutschland-Chef Henrik Köhler Konkretes wissen.


MediaSeller: Herr Köhler, wieso gehen alle Beteiligten davon aus, dass der Joint Venture Partner TPV zukünftig mehr oder besser Geld mit der TV-Sparte verdienen wird, als es Philips bislang gelang? Schließlich hat Philips unter seinem Ex-CEO Gerd Kleisterlee bereits seit 2007 versucht, die TV-Sparte in die Gewinnzone zu manövrieren.
Henrik Köhler: Die Antwort ist relativ einfach. Wir hielten bislang nicht die komplette vertikale Integration der TV-Sparte in unseren Händen. Das heißt, wir waren unter anderem auf externe Fertigung und auf externe Bauteilzulieferer angewiesen. Unser neuer Joint Venture Partner TPV hat im Gegensatz dazu diese vertikale Integration. Er besitzt die industrielle Power und Kompetenz und hat zudem direkten Zugang zu Bauteilen und Panels, die im Konzern vorhanden sind. Das senkt unter anderem die Herstellungskosten und ermöglicht ein schnelleres und direkteres Reagieren auf Marktbedürfnisse. Philips liefert in dem Joint Venture den bewährten Zugang zum Markt. Wir beeinflussen aber auch weiterhin Forschung und Entwicklung, legen Designlinien mit fest. Also all das, was bislang Philips TV ausgemacht hat. Es ist ja gerade der Sinn solcher Partnerschaften, dass sämtliche Beteiligten ihre Stärken zusammenführen, um so gemeinsam effizienter am Markt agieren zu können. Durch die Bündelung dieser Ressourcen sind wir in der Lage, auf Marktveränderungen mit der notwendigen Geschwindigkeit zu reagieren. Das heißt: Wir können die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt in den Markt bringen.
MediaSeller: Ist TPV denn so ein starker Partner?
Köhler: Sie dürfen nicht vergessen, TPV ist im Bereich Monitore die Nummer Eins, bei der TV-Fertigung weltweit die Nummer Drei. Wir reden hier also über eine richtig große Company mit viel Erfahrung.
MediaSeller: Nochmals gefragt, wie sehr kann Philips zukünftig Einfluss auf die Gestaltung und Entwicklung nehmen? Und wie sehr auf das Pricing?
Köhler: In den Verträgen zum Joint Venture ist klar definiert, wie die ganzen Abläufe und Prozesse gestaltet werden. Wir haben nach wie vor den Einfluss auf die Qualität und auf das Design der Produkte. Das gilt auch für die Verpackung. Das heißt, am PoS wird es zum Beispiel keinen Unterschied geben in der Verpackung von Consumer Lifestyle Produkten und Philips TV. Um die Frage nach dem Pricing zu beantworten, lassen Sie mich zuerst einmal definieren, was das Ziel dieses Joint Ventures ist. Ziel ist es, ein erfolgreiches Geschäft im Markt zu machen. Dazu muss man wettbewerbsfähige Produkte mit einem entsprechend wettbewerbsfähigen Pricing bringen. Wenn wir das nicht könnten, würden wir das Joint Venture nicht gestalten. Wir orientieren uns beim Pricing – wie bislang auch – am Markt, damit der Handel weiterhin gute Geräte verkaufen und damit aber auch gutes Geld verdienen kann. Mit unseren Produkten wollen wir ja schließlich in der Wertschöpfungskette das Maximale für alle Prozessbeteiligten herausholen. So wie wir das bislang in der selektiven Distribution mit Consumer Lifestyle-Produkten – inklusive TV – umgesetzt haben, so wird das in Zukunft auch der Fall sein im Joint Venture TPV.
MediaSeller: Ist Philips beim Thema Smart TV zu spät gestartet?
Köhler: Das würde ich nicht so sehen. Der Erste, der in diesem Segment auf dem Markt war, ist Philips gewesen. Und zwar mit Net TV. Wir haben das Thema doch überhaupt in den Markt gebracht und ihn angetrieben. Wir sind auch hier die Stärksten, mit den verschiedenen Applikationen im TVBereich, die der Konsument schon länger nutzt und mit den neuen Funktionen, die er zukünftig nutzen kann. Da müssen wir uns also hinter niemandem verstecken. Unsere Geräte werden mittlerweile seit über zwei Jahren mit Net TV vertrieben, die Anmelderate zu den Netzfunktionen beträgt gut ein Drittel. Das zeigt, wie gut diese Features vom Konsumenten angenommen werden. Der Begriff Smart TV hat sich mittlerweile gut im Markt etabliert, was wir sehr begrüßen. Schließlich ist er sehr griffig für den Konsumenten und kann besser umgesetzt werden. Denken Sie nur an den Begriff SmartPhone, mit dem wohl nahezu jeder Konsument erhöhten Nutzwert verbindet.
MediaSeller: Wo sehen Sie Philips TV in einem Jahr und in drei Jahren?
Köhler: Auch dazu gibt es eine einfache Antwort. Wir haben im Rahmen des Joint Ventures eine Absichtserklärung abgegeben, dass wir die nächsten fünf Jahre eng zusammenarbeiten wollen. Das dokumentiert zum einen, dass wir langfristig planen und wir daon ausgehen, erfolgreich am Markt zu agieren. Um es konkret zu sagen: Philips TV wird in den nächsten fünf Jahren stärker sein als es bislang der Fall war.
MediaSeller: Wenn Sie die Entwicklung so positiv sehen, warum gibt es dann eine Klausel, nach der Philips seine 30 Prozent Anteile am Joint Venture nach fünf Jahren verkaufen kann? Ein Sicherheitsanker, falls die Sache doch nicht funktioniert?

Köhler: Das ist eine ganz übliche Ausstiegsklausel. Außerdem würde ich eher betonen, dass es auch die Option gibt, dass wir nach fünf Jahren verlängern.
MediaSeller: Wie reagieren Ihre Vertriebspartner auf die Ankündigung des Joint Ventures?

Köhler: Unsere Handelspartner haben gesehen, dass es mit Philips TV in den letzten zwei Jahren nicht ganz so optimal gelaufen ist. Es gab da bei Qualität und Lieferfähigkeit Verbesserungspotenzial. Das wissen auch unsere Partner im Handel. Dennoch ist Philips die starke Nummer Zwei im Markt. So sind alle Beteiligten daran interessiert, dass notwendige Änderungen schnell erfolgen und Philips weiterhin eine der stärksten Marken im TV-Bereich bleibt. Wenn man die Alternative sieht, nämlich das TV-Geschäft einzustellen, dann ist das Joint Venture eine Lösung, die sehr gute Perspektiven bietet. Der Handel freut sich, dass er in Zukunft auch weiterhin Philips Fernseher verkaufen kann.
MediaSeller: Gibt es Unterstützungn für den Handel, die es ihm leichter machen, den Wechsel beim Konsumenten zu argumentieren?
Köhler: Der Konsument fragt überhaupt nicht nach, so ist unsere Erfahrung. Der will einfach nur Philips Fernseher kaufen. Wie der Herstellungsprozess verläuft, ist für ihn uninteressant, solange Qualität und Leistungen stimmen. Nehmen Sie das Beispiel Apple, deren iPhone oder iPad zu den gefragtesten Produkten im Markt zählen. Da fragt auch kaum ein Kunde, wo genau die Geräte herkommen. Den Handel werden wir natürlich auch weiterhin in gewohnter Weise eng betreuen und unterstützen. Damit bleibt Philips beziehungsweise die Marke Philips ein berechenbarer Partner für den Handel, mit dem er auch zukünftig gute Geschäfte machen kann.
MediaSeller: Der neue Konzernchef Frans van Houten sagte in einer Telefon-Pressekonferenz sinngemäß, dass alle rund 400 Philips-Geschäftsfelder auf den Prüfstand kommen. „Wir laufen noch nicht auf vollen Touren. Es gibt noch viel unerschlossenes Potenzial bei Philips“, so seine Äußerung damals. Haben Sie Angst, dass davon auch andere Consumer Lifestyle-Segmente betroffen sein könnten?
Köhler: Wer die Auffassung hat, dass die Welt stabil ist, der ist naiv. Jedes Unternehmen muss jeden Tag aufs Neue sein Geschäft kritisch beleuchten und bewerten. Das kennen unsere Handelspartner auch. Man muss ständig überprüfen, wo es Dinge zu verbessern gibt, wo man schneller werden muss, wo man sich von bestimmten Feldern trennen muss.
MediaSeller: Losgelöst von der TV-Frage, welche spannenden Consumer Lifestyle-Produkte werden wir zur IFA sehen?
Köhler: Wir werden einiges, wirklich Spannendes zur IFA zeigen. Generell werden wir aber weiter mit der gesamten Consumer Lifestyle-Sparte vertreten sein, vor allem mit dem großen Bereich Kaffee und Espresso, den Bereichen Küche, Bodenpflege, Kleidungspflege. Dazu zählt natürlich auch das Thema Baby mit der Marke Avent und das Segment OralHealthcare. Auch AVM (Audio, Video, Multimedia) sowie Accessoires, die wir unter dem Begriff Lifestyle Entertainment zusammenfassen, werden wir präsentieren. Diese Segmente bieten eine hervorragende Möglichkeit für den Handel, sich in unterschiedlichen Geschäftsfeldern zu betätigen und gutes Geld zu verdienen. Ein Großteil unserer Produkte haben wir in diesem Jahr bereits in Barcelona und während unserer Roadshow gezeigt. Dort besuchten uns übrigens gut 3.500 Händler, also ein gewaltiger Zuspruch aus dem Handel. Nehmen wir die ersten fünf Monate des Jahres, dann sind wir sehr zufrieden, was die Entwicklung von Consumer Lifestyle angeht.

MediaSeller: Warum soll ich als Händler zum Philips-Stand auf die IFA kommen?

Köhler: Zum einen, weil es sich immer lohnt, mit uns zu reden. Zum anderen auch, weil wir wirklich einige gute und überzeugende ProduktHighlights zur IFA zeigen werden, die Meilensteine im Markt setzen werden. Was genau, will ich jetzt noch nicht verraten.
MediaSeller: Welche Botschaft haben Sie noch an den Handel?
Köhler: Philips ist und bleibt ein ganz starkes, innovatives Unternehmen mit herausragenden Konsumentenprodukten. Der Handel kann diese mit einer richtig guten Wertschöpfung verkaufen. Das gilt auch und im Besonderen für das zukünftige Philips TV Segment.
 



 
 
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